HINTERGRUNDINFORMATION

Mehr als eine Million Menschen musste in Guatemala vor allem in den 80er Jahren vor Massakern flüchten, die grösstenteils vom Militär an der Zivilbevölkerung begangen wurden. Mehr als 440 Dörfer wurden zerstört, über 100.000 Menschen flüchteten ins benachbarte Mexiko, wo sie bis zu 15 Jahre in Flüchtlingslagern lebten und sich nach und nach organisierten, um eine Rückkehr nach Guatemala zu ermöglichen. Am 8. Oktober 1992, noch vor Ende des bewaffneten Konflikts, unterschrieben sie einen Vertrag mit der guatemaltekischen Regierung, der unter der Schirmherrschaft der UNO eine friedliche, kollektive Rückkehr vorsah. Dieser Vertrag sah auch die Begleitung durch internationale BeobachterInnen während der Rückkehr und für die Zeit des Integrationsprozesses vor. Im Dezember 1996 wurde mit der Unterzeichnung der Friedensverträge dem 36jährigen Bürgerkrieg ein Ende gesetzt, doch die Rückführungen dauerten bis 1999 an. Die Österreichische Guatemala Solidarität bzw. ihre Vorgängerorganisation beteiligte sich daran ab 1995 in Zusammenarbeit mit anderen internationalen NGOs, wobei 44 kollektive Rückführungen begleitet wurden. Insgesamt konnten auf diese Weise ca. 30.000 Leute in ihre Heimat zurückkehren.

Offiziell herrscht in Guatemala seit 1996 Frieden, aber nach wie vor besteht die Notwendigkeit und der Wunsch seitens guatemaltekischer Menschenrechts- und Volksorganisationen, auch in Zukunft eine internationale Präsenz in Guatemala zu garantieren. Diese Anfrage hängt auch mit dem bereits im Jahr 2004 erfolgten Rückzug der UN-Beobachtungsmission Minugua aus Guatemala zusammen.

Auch unter den Nachkriegsregierungen bleibt das Land von einem hohen Gewaltniveau geprägt, wobei auch die systematischen Menschenrechtsverletzungen anhalten. Die Hoffnungen, die an die Unterzeichnung der Friedensverträge geknüpft waren, haben sich bislang nicht erfüllt.

Unter der aktuellen Regierung von Alvaro Colom, die seit Jänner 2008 an der Macht ist, scheint sich die Nichtumsetzung der in den Friedensabkommen festge-schriebenen Maßnahmen zur Befriedung der Gesellschaft und zur Lösung der strukturellen Probleme des Landes fortzusetzen. Während sich die Regierung diskursiv als sozialdemokratisch bezeichnet und sich der Menschenrechtsthemen annimmt, hat sich in der Praxis vor allem eine Fortsetzung der Kriminalisierung von sozialen Bewegungen gezeigt. Zugleich brachte die Aufnahme von früheren AktivistInnen aus dem Menschenrechtsbereich in Funktionärs- und Sekretariatspositionen nicht nur eine Schwächung und Desartikulierung ihrer ehemaligen Organisationen mit sich, sondern löste auch in anderen Teilen der Zivilgesellschaft Unsicherheit über eine Positionierung gegenüber der Regierung aus.

Bestand anfangs die Tätigkeit der BegleiterInnen der Guatemala Solidarität hauptsächlich darin, durch ihre physische Anwesenheit im Dorf ehemalige Flüchtlinge vor gewaltsamen Übergriffen durch Militär und paramilitärische Einheiten zu schützen, so wurde die Arbeit kontinuierlich an den Kontext und die Anfragen der guatemaltekischen Zivilgesellschaft angepasst. Ab dem Jahr 2000 spezialisierte sich die Begleitung auf ZeugInnen, die in Gerichtsverfahren zur Aufklärung von Massakern teilnehmen. In den darauf folgenden Jahren kam auch die Begleitung und Zusammenarbeit mit Volks- und Menschenrechtsorganisationen dazu, welche unter anderem in Landkonflikten, im Kampf gegen die Straflosigkeit, der Ausbeutung von Bodenschätzen und im Widerstand gegen die neoliberale Ausbeutungspolitik aktiv sind. Diesen Anforderungen kommen wir durch die Entsendung von Freiwilligen für die Begleitarbeit nach.